Ein ehrenamtliches und inklusives Projekt zur Identitätsbildung im Kiez, Nachbarschaftsvernetzung und Transparenz kultureller Angebote
Ich sitze in der Tram Richtung Hansastraße/Buschalle um dort Ulla und Sebastian zu treffen. Mein Nachbar Daniel würde später nachkommen. Ulla, ein sehr rücksichtsvoller und gutmütiger Charakter mit großen freundlichen Augen, habe ich vor etwas mehr als 2 Jahren kennen gelernt, als wir uns mit unseren damals noch sehr kleinen Babies in der Krabbelgruppe im Familienzentrum Weißensee über den Weg liefen. Krabbelgruppen, „Familienzentrum“, „Stadtteilzentrum“…alles Dinge und Einrichtungen, die ich vor der Geburt meiner Tochter gar nicht wahrgenommen hatte oder mich das Fragezeichen, was mich dahinter erwarten würde, zu sehr daran hinderte mal nachzusehen.
Als frische Mama, die sich mit einem Mal von einem sehr aktiven und sozialen Alltag mit einer fast zu ruhigen neue Alltagssituation konfrontiert sah, wurden diese Orte für mich und meine Tochter wichtige Knotenpunkte zur Vernetzung und Austausch mit Eltern in Weißensee. Dort konnten wir der anfänglichen Isolationskultur entgegensteuern, in die man vom Freundeskreis aus Rücksichtnahme hinsichtlich der neuen und herausfordernden Lebenssituation entlassen wurde. Dieser neue Alltag mit begrenztem Bewegungsradius öffnete mir aber die Augen für das unmittelbar vor mir liegende und ich begann Weißensee, als den Ort, der seit 10 Jahren meine Basis ist, aber auch seine Bewohner*innen, neu zu entdecken. Mit einem Kind waren die Interaktionen mit meinen Mitmenschen plötzlich viel offener und häufiger, man rückte mehr und mehr aus der Anonymität in ein sehr wohlwollendes Nachbarschaftsgeflecht, welches eine Spannweite des Interaktionsmusters von einem einfachen Gruß bis hin zu langen, spontanen Gesprächen auf der Straße reichte. Weißensee wurde fast zu einem Dorf für mich, in dem ich mich mehr und mehr verwoben fühlte. Etwas, was ich als Urberlinerin und damit auch Großstädterin, die viel unterwegs war, als unbekannt empfand und ich mein „Heimatgefühl“ – wenn ich so etwas überhaupt hatte – zuvor eher in mir nahestehenden Menschen und nie an Bezirken verortet hatte.
Und nun stehe ich hier neben Ulla und den mir bis dahin noch unbekannten Sebastian, der meinem Aufruf auf nebenan.de zum Kiezspaziergang gefolgt war, und leite diesen Kiezspaziergang. Ich hatte keinen exakten Plan und ehrlich gesagt keine Ahnung wohin uns das inhaltlich führen sollte. Überraschenderweise war das genau die richtige Vorbedingung für unsere Gespräche, die dadurch frei und sehr natürlich zwischen Kiezgedanken und privaten Themen schwingen konnten. Räumlich gab es schon ein Ziel. Die Teilnehmer*innen hatten mir vorab Orte verraten, die sie gerne in den Spaziergang einbauen wollten. Orte, die sie entweder anzog oder deren Zustand sie diskutieren wollten. Schließlich wollten wir auch darüber nachdenken, was Weissensee attraktiver machen könnte und waren uns einig, dass eine Bürger*innenbeteiligung und ständiger Austausch bei der Kiezgestaltung essentiell wären, um sich mit dem eigenen Kiez identifizieren zu können, Verantwortung zu übernehmen, Selbstwirksamkeit und politisches Mitspracherecht auf kommunaler Ebene zu erleben und sich schließlich ein Wohlbefinden dadurch einstellt, dass die individuellen Bedürfnisse im Kiez gespiegelt werden.
![Mein größtes Bedürfnis ist Natur und die damit verbundene Freiheit, die ich räumlich als auch zeitlich gedehnt genieße. Und deswegen nehme ich die beiden zum Aufwärmen mit in das nahe gelegene Naturschutzgebiet „Fauler See“ [Bild 1].](https://www.unser-weissensee.de/wp-content/uploads/2025/02/1-1.jpg)
Sebastian ist ungefähr seit einem Jahr in Weißensee, kennt das NSG aber aus der frühen Kindheit seiner Tochter, da sie hier den Waldspielplatz besuchten. „Als Eltern überlegt man ja immer was man mit den Kindern am Nachmittag unternehmen kann und schaut auch mal über den Tellerrand hinaus.“ sagt er sinngemäß. Leider hat sich der Waldspielplatz sehr verändert. Zurzeit wütet hier der Eichenprozessionsspinner und das gesamte in die Jahre gekommene Klettergerüst wurde komplett abgebaut – ohne Ersatz. An sich finde ich das okay, da Kinder am kreativsten werden, wenn ihnen keine Strukturen vorschreiben, was sie tun können, und das freie Spiel befördert wird. Das Gelände ist aber groß und es ist schade, dass es Zentren für Umweltbildung, die die Natur den Kindern zugänglich machen können, immer nur in anderen Bezirken anzutreffen sind, wie das „Haus der Natur“ nähe Grunewald. Ich wünsche mir hier einen kleinen Bereich auf dem großen Gelände, der bspw. Kleinen Forscher*innen Stationen anbietet, der ihre Sinne auf ihre Umgebung schärft- wie etwa eine Waldbingo Station, Waldmemory etc. Hier finde ich die Schlichtheit aber okay. Dennoch sind die Spielplätze in Weißensee sehr uninspiriert und z.T. verwahrlost. Wie schön wäre einer nach dem Vorbild des Berliner oder „Eberswalder Zoo’s“ wo auch kleine Kinder, die bei Spielplatzplanungen ja immer komplett außen vor sind, schon die Elemente nutzen könnten. Auch Ulla zeigt uns später ihren Lieblingsspielplatz in der Meyerbeerstraße. Früher kletterten hier manchmal Kinder mit Klettergurt die Schräge hinauf, versteckten sich und spielten Fange auf dem oberen Plateau. „Der ganze hintere Bereich wurde zurück gebaut.“ sagt Ulla. Warum wurden nur morsche Stämme gewechselt und das Gerüst nicht wiederhergestellt? Das ist ein wahnsinniger Verlust, findet sie. Schließlich sei das einer der weniger Spielplätze mit Schatten in Weißensee. Die meisten anderen sind im Sommer völlig unzumutbar. Sie hat recht. Auch das „Stadtteilzentrum“ musste leider das Trampolin ersatzlos entfernen und hat scheinbar leider derzeit keine Mittel für einen Wiederaufbau. Das Thema Entbehrung ohne Alternative wird uns auf dem Spaziergang noch häufiger begegnen.

Erfreulicherweise birgt der See endlich wieder richtig viel Wasser und er ist alles andere als faulig. Der See scheint sich etwas erholt zu haben. Auch die Schwäne, heimische Greif- und Wasservögel leben hier wieder zahlreich. Die Waldgerüche und die Ruhe mitten in der Stadt verbinden uns irgendwie, habe ich das Gefühl. Hier gibt es nichts, was einen ablenkt. So ein Stadtwald scheint auch bei den Joggern beliebt, die uns hier an heißen Tagen besonders auffallen und hier sicher das kühle Klima und den weichen Waldboden beim Sport suchen. Kaum zu fassen, dass man vom Antonplatz nur 6 Minuten mit der Bahn und weitere 5 Minuten zu Fuß her braucht. Uns fällt auf, wie auch wir viel in unseren gedanklich fixierten, individuellen Einzugsbereichen in Weißensee verhaftet sind und es oft schwer ist, sich im Alltag darüber hinaus zu bewegen. Woran liegt das? Wir Menschen haben hier die Freiheit, unsere Umgebung zu verlassen, wählen aber doch das Vertraute. Vielleicht weil es weniger Energie, Planung und Aufwand bedeutet? Weil es tief in unseren menschlichen Bedürfnissen nach Sicherheit, sozialer Bindung und Stabilität verwurzelt ist? Manchmal ist es den Aufwand aber wert und wir 3, so beschließt jeder für sich, wollen zumindest hier wieder öfters herkommen.

Erst diese Woche wollte ich mit meiner Tochter und meinem Mann am späten Nachmittag hierher. Um die 23€ hätten wir gemeinsam bezahlt. Zu so fortgeschrittener Stunde noch so viel zu bezahlen und unsere Kleine noch dazu als Vollzahlerin – das war uns spontan dann doch zu viel. Das Strandbad Weißensee, das seit 1920 besteht, ist etwas günstiger aber ebenso sonnenexponiert und sehr dicht gedrungen. Wer hier also Baden will, brauch die nötige finanzielle Liquidität. Der Park rund um den Weißensee ist eine geschützte Grünanlage und das Baden an anderen Stellen als des Strandbads eigentlich verboten. Wilde Badestellen gibt es aber trotzdem jeden Sommer. Wir bemerken beim Diskutieren, wie schwer die die Vereinbarkeit zwischen ökologischer Erholung und menschlicher Nutzung städtischer Kleinhabitate wie solcher Seen zu erreichen ist. Einerseits ist es vollkommen richtig, dem See samt seiner Flora und Fauna Raum zu geben, den ökologischen Zustand wenigstens ansatzweise herzustellen. Andererseits sind Gewässer in städtischen Gebieten wichtige Erholungsorte, besonders an heißen Tagen. Ein guter Kompromiss wäre es doch zum einen, statt Verbotsschilder eher eine Infotafel mit positiven nudging zu installieren, die die Notwendigkeit der Maßnahmen betont und die langfristigen Vorteile verlockend hervorhebt, um wiederum die Akzeptanz erhöhen. Und zum anderen eine zeitlich und räumlich begrenzte Badezone oder saisonale Regelungen in einem Bereich zu schaffen, der ökologisch weniger sensibel ist. Zumindest bietet die Plansche eine Alternative für Kinder, sich unter den Wasserfontänen abzukühlen.
Wir überqueren nun die Hansastraße und treffen Daniel, meinen Nachbarn, der unsere schon gut gelaunte Truppe mit seinem frohen und gelassenen Sonntagsgemüt vervollständigt. Die Parkanlage mit dem perfekt asphaltierten Radweg als ruhigen Übergang zur Gartenstraße kennt Daniel noch gar nicht. Die Radwege in Weißensee und generell in Berlin sind für uns 4 ein Thema, dass unsere Gemüter erhitzt und uns verbindet. Die Bizetstraße empfinden wir alle als wertvollen Gewinn, sehen aber auch, dass es grundsätzlich problematisch für Radfahrende ist, sich in Weißensee zu bewegen. Sebastian findet die Regelung für Kinder ab 10 Jahren auf der Straße fahren zu müssen als unzumutbar. Gäbe es wenigstens vernünftige Radwege auf den Hauptstraßen, wäre das entspannter. Solange das so bleibt, finden wir 3 Eltern, dass es das Bußgeld Wert ist, sein Kind lieber auf dem Fußweg fahren zu lassen. Wir träumen von sicheren Schnellradwegen, die in 2ter Ebene über den Gleisen alles viel einfacher machen würden.
Der utopische Höhenflug, der eine gesteigerte Körpertemperatur zur Folge hat, muss erstmal abgekühlt werden. Da kommt das „HappaHappa“ [Bild 4] in der Smetanastraße an dem wir gerade entlang flanieren, wie gerufen. Unter vorgehaltener Hand wird er auch der heißeste Ort für Klatsch und Trasch aus Weißensee genannt.

Er hat es vermisst einfach mal vor die Tür zu gehen und draußen allein oder mit Freunden einen Café zu genießen. Wir alle sind froh nicht in einem szenigen Bezirk wie „Pberg“ zu wohnen, schätzen es aber, dass der Kiez inzwischen einige Lokale hat, wo man hingehen kann. Wir krönen den Eisspatz am Mirbachplatz zum leckersten Eisladen Weißensees. Daniel ist in einer neuen Stadt immer in die nicht hippen Bezirke gezogen. Er mag die Ruhe hier! Auch das offene nachbarschaftliche Verhältnis hatte er zuvor so noch nicht erlebt. Ich selbst liebe Weißensee wegen seiner perfekten Lage innerhalb von 15min im Stadtzentrum oder auf den Rieselfeldern draußen zu sein, wo ich gerne Rad fahre, joggen gehe oder Tiere beobachte (Pferde, Rehe, etc.). Ich mag die Anbindung an den Malchower See, den Lindenpark mit seinen weiten Feldern und den Hochlandrindern etc. Unvorstellbar wäre es für mich, in einem Bezirk zu wohnen, wo ich eine halbe Ewigkeit bräuchte die Stadt zu verlassen. Ziemlich einstimmig stellen wir fest, dass wir die Atmosphäre in Weißensee und die sehr heterogene Bevölkerung hier als angenehm empfinden, jedoch die Gentrifizierung mit Ausnahme des Komponistenviertels und einigen Ausnahmebauten (Woelckpromenade, Börnestraße) noch nicht Alltag geworden ist, aber absehbar scheint.

Sebastian wollte unser Augenmerk auf die besondere Architektur und die spannenden Geschichten hinter all diesen großen und geheimnisvollen Höfen lenken. Hier gibt es Raum für Kreativität und Schaffenskraft. Hinter jedem Tor entfaltet sich eine ungeahnte Parallelwelt zu der vermeintlich unbelebten Straße. Ob „BauFachFrau“, kleine Autowerkstätten oder das Kunstatelier vom weltweit gefragten Jonas Burgert. Die Gewerbehöfe laden ein, sich ans Ende des 19 Jahrhunderts hineinzuträumen, als sich hier die ersten Gewerbe ansiedelten [https://c-makers.de/entry/jonas-burgert/]. Es ist schön zu wissen, dass dieser Geländekomplex dank des Denkmalschutzes bestehen wird und somit eine Konstante in dem sich weiter entwickelnden Weißensee bildet. Hier wird zusehends jede Brachfläche bebaut und es gibt eigentlich keine Räume, die man selbst gestalten kann für nachbarschaftliche Nutzungen. Eine Ausnahme fällt mir aber ein, und die hebe ich für Ulla, Sebastian und Daniel bis zum Schluss des Spazierganges auf. Wie schön wäre es, wenn Wohnen anders gedacht würde. Es gibt weltweit schon inspirierende Vorbilder, aber man fragt sich, wann das nach Weißensee schwappt und wie das umzusetzen wäre. Das Konzept abgegrenzter Wohnbereiche, wo jeder seine eigene Waschmaschine etc. hat und wo Orte der Begegnung sich auf das Treppenhaus beschränken, finde ich überholt und auch nicht ressourcenorientiert gedacht. Es wäre so viel sinnvoller einen zentralen Wäscheraum zu haben und eine große Gemeinschaftsetage mit Wohnküche als neutralen Boden, wo man alle Altersgruppen und soziale Schichten antreffen könnte. Es wäre eine schöne Maßnahme gegen die Vereinsamung älterer Menschen und familiärer Überforderung in solche Bereiche ausweichen zu können und gemeinsam zu kochen. In den linken Wohnprojekten, in denen früher viele meiner Freunde wohnten, hat das wunderbar funktioniert.

Sebastian zeigt uns den Hof und erklärt uns, was sich hinter der Fassade verbirgt. Im anschließenden E-Mail Kontakt mit der Gründerin des C*SPACE finde ich heraus, dass dieser Ort als kreativer Hub, also ein Ort für nachhaltigen Wandel, für künstlerische und kulturelle Aktivitäten dient. Neben seiner kommerziellen Nutzungsmöglichkeiten wird der Versuch unternommen, durch verschiedene Veranstaltungen und Projekte Netzwerke zu stärken und der soziale Zusammenhalt in der Nachbarschaft zu fördern. Daher werden regelmäßig Kunstausstellungen, Workshops, Performances und kulturelle Veranstaltungen organisiert, die mitunter frei zugänglich sind. Dies bietet den Anwohner*innen die Möglichkeit, sich kreativ auszudrücken und an kulturellen Events teilzunehmen. Es gibt so viel zu entdecken, an Orten, an denen man täglich vorbeiläuft und sich dahinter ungeahntes Potenzial verbirgt. Bisher dachte ich, es sei nur ein Ort für Freelancer zum Arbeiten. Bald ist dort ein „Tee Summer Fest“ geplant, welches ergänzend zu den wöchentliches „Pop Up Tea – Treffen“ immer freitags für die Nachbarschaft geöffnet ist. Ein Ort, den ich nun mehr entdecken möchte. Es wäre schön, wenn es eine zentrale Plattform für jeden Bezirk gäbe – digital und analog -, wo man eben solchen Orten Transparenz verleihen kann. So bleibt es vielen Anwohner*innen verborgen und die Wertschöpfung solcher Angebote wird nicht im vollen Maße ausgenutzt.

Die Gruppe ist neugierig und ich verschaffe mir Zugang über einen Zahlencode. Eine Freundin aus der Nachbarschaft hat mich auf diesen Ort aufmerksam gemacht und mir den Code verraten. Sie spazierte zufällig daran vorbei und sah ein paar nette Menschen darin sitzen mit denen sie ins Gespräch kam. Sie erfährt, dass die Anwohner*innen des Kiezes diese Brache vor Baubeginn eines geplanten Spielplatzes als Zwischennutzungsprojekt zu einem Ort der nachbarschaftlichen Begegnung und Raum zum Spielen verwandelten. Der ganze Müll wurde entsorgt und Backsteine zu einer kleinen Sitzmauer gestapelt. Wir hatten vergeblich nach einem spannenden und neuen Ort gesucht, an dem wir uns in kleiner Runde mal mit unsren Kindern am Nachmittag zum Picknicken treffen konnten. Nun war er da. Leider mit dem Beigeschmack, dass der wilde Charakter und damit das Abenteuergefühl für Groß und Klein nur temporär zu genießen sein würde. Ulla, Daniel, Sebastian und ich erkunden interessiert das sogenannte „HeiJaLa-land“ – ein Gelände mit Lost Place Charme an der Straßenkreuzung Heinersdorfer-, Jakobsohn- und Langhansstraße. Wir naschen vergnügt ein paar Brombeeren, die hier zahlreich wachsen und spüren alle sofort dieses Freiheitsgefühlt, welches in einem emporsteigt, wenn man solche Orte voller Möglichkeiten und freier Entfaltung betritt. „Und hier soll ein Spielplatz gebaut werden? Dann werden die Bäume sicher weichen müssen.“ stellt Daniel mit Bedauern fest.
Tatsächlich gab es eine Bürgerbeteiligung zur Gestaltung der Brache, die vorsieht den Bereich so naturnah wie möglich im Spiel erlebbar zu erhalten [siehe 1]. „Schade, dass hier ein unkreativer Spielplatz den Abenteuercharakter auslöschen wird. Aber mir fällt noch eine Brachfläche ein! Hinten an der Woelckpromenade gegenüber von der Turnhalle des „Primo Levi Gymnasiums“! Wisst ihr, welche ich meine?“ frage ich in die Runde. Den dreien ist der eingezäunte Ort auch aufgefallen, aber keiner weiß um dessen Nutzungspläne. „Sicher gehört er zu dem Haus, das gerade saniert wurde und nun absurd teure Mieten mit mehr als 4000€ monatlich verlangt, wo schon Babylon Berlin drin gedreht wurde. Vielleicht können wir da auch einen Zwischennutzungsvertrag verhandeln!“ spricht die Aufbruchsstimmung aus mir. „Ja wir könnten ja eine Saunajurte wie in Kreuzberg dahin bauen!“ meint Daniel. Tatsächlich wurde eine Freifläche in Kreuzberg zu einem lokalen Sauna- und Entspannungsort umgebaut. Die Sweet & Sweat – Jurtensaunarei. „Da steht eine Saunajurte, es gibt einen Bereich zum Relaxen, eine Dusche und einen Bauwagen, wo man sich umziehen kann.“ lächelt Daniel, der ebenfalls immer wieder darüber grübelt, wie man dem Kiez mehr Leben einhauchen könnte. „Oder einen schönen wilden Garten mit überdachten Sitzmöglichkeiten, wo man sich zum Picknick, jammen oder Urban Gardening treffen kann.“ presche ich impulsiv mit meiner ersten Idee heraus. Urban Gardening war heute schon öfter Thema beim Spazieren. Es gibt zwar einen beim „Kubiz“, also Weißensee Ost, und wohl auch eine Möglichkeit dort Gemüse abzuholen, aber keinen in unserem Ortsteil. Im Stadtteilzentrum haben zwei von uns unabhängig voneinander versucht im Garten mitzuwirken. Leider ohne Erfolg und mit einem Gefühl nicht sonderlich willkommen zu sein. Aber jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, wie Hesse so schön sagte. Das vitalisierende Gefühl, wenn man etwas Neues schaffen will, hat uns alle jedenfalls gepackt. Vielleicht können wir eine Bürgerbeteiligung dafür organisieren. Ich fühle mich elektrisiert und in Gedanken gestalte ich die Brache immer wieder neu.
Die Tour neigt sich dem Ende. Ich merke, wie gerne ich noch so viele weitere Orte mit in die Route aufgenommen hätte. Jeder Kiezabschnitt hat Anziehungspole, die ich zu meinem festen Kieznetzwerk zähle und deren Abwesenheit mein Wohlfühlempfinden hier beeinflussen würde. Die „TEE-küche“ in der Smetanastraße – eine Schatzgrube mit der leckersten Teeauswahl – , wo ich oft erst nach einem einstündigen und immer wieder inspirierenden Gespräch mit dem Inhaber herauskomme. Aber auch der „jüdische Friedhof“, der an heißen Sommertagen mit seiner kühlen Atmosphäre zu langen Spaziergängen einlädt, ohne dass man dabei zu vielen anderen Menschen begegnen würde. Die „Velostat“ von Oli, dem ehrlichsten und sympathischsten Fahrradmechanikers Berlins, den ich wegen der nachbarschaftlichen Nähe oft zum freundschaftlichen Quatschen besuche, und immer wieder feststelle, dass er der heimliche Straßentherapeut für den gesamten Kiez zu sein scheint. „Sepp Meiers Zweiraum Wohnung“, ein kreatives und kulturschaffendes Projekt, das Raum bietet für Theater (auch für Kinder), Musiksessions und Konzerte sowie für Ausstellungen – unscheinbar und doch so gehaltvoll. Die „Disc Golf Anlage“ hinten in der Rennbahnstraße, die einen Lost Place wiederbelebt und durch sportliche Interaktion erfahrbar macht. Die „Brotfabrik“, das „Babuschka“ in der alten Fischräucherei, die „Freilichtbühne Weißensee“…etc.! Wie vielseitig ist doch dieser Kiez, in dem ich mein zuhause gefunden habe. Wer weiß für wie lange. Aber für jetzt ist es genau das richtige und nun, dank des Spazierganges, wieder mit ein paar Gesichtern mehr, die man auf der Straße wieder erkennt und uns Menschen aus Weißensee aus der Anonymität hebt und in ein nachbarschaftliches und vertrautes DU verwandelt.
Danke an euch drei für diesen schönen Nachmittag,
Romina Moos-Möhring
Euch hat der Beitrag gefallen und ihr wollt mehr erfahren über einige Orte? Dann stöbert mal in meiner Linksammlung unten zu den Themen oder bewegt euch durch die interaktive Karte, in der ihr den Spaziergang und die Orte nachvollziehen könnt und mehr Informationen erhaltet:

Foto: Romina Moos-Möhring

Foto: Romina Moos-Möhring

Foto: Romina Moos-Möhring

Foto: Romina Moos-Möhring

Foto: Romina Moos-Möhring


Foto: Jana Hentze

Foto: Romina Moos-Möhring

Foto: Romina Moos-Möhring

Foto: Sebastian Basedow

Botschaften auf einem Einfahrtstor (Langhansstr. 126 )
Foto: Sebastian Basedow


Foto: Sebastian Basedow

Foto: Romina Moos-Möhring

Foto: Romina Moos-Möhring

Foto: Romina Moos-Möhring

Foto: Romina Moos-Möhring

Foto: Romina Moos-Möhring

Foto: Romina Moos-Möhring

Foto: Romina Moos-Möhring

Foto: Romina Moos-Möhring

Foto: Romina Moos-Möhring

Foto: Romina Moos-Möhring

Foto: Romina Moos-Möhring


Foto: Romina Moos-Möhring

(1938 Entwurf, 1957 Guss)[4] –
Foto: Romina Moos-Möhring

Foto: Romina Moos-Möhring

Foto: Romina Moos-Möhring

Foto: Jana Hentze

Foto: Romina Moos-Möhring

Foto: Ulrike


Foto: Romina Moos-Möhring

Foto: Romina Moos-Möhring

Foto: Romina Moos-Möhring
WEITERFÜHRENDE LINKS:
Audioführungen durch Weißensee:
- Audiowalk Brachland Weißensee : https://c-makers.de/entry/brachland/
- https://de.guidemate.com/guides/629a83e81a54616ad39dc8da?selectedGuideLocale=de&station=629a87de1a54616ad39dc92a
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- Jacobs langer Kieztisch immer im August
- BENN Weißsensee https://www.benn-weissensee.de/
- https://www.pankow-weissensee-prenzlauerberg.berlin/de/events
Weiterführende Links und Tipps für Weißensee:
Quellennachweise und Verweise:
[1] https://langhansstrasse.de/projekte/aktuell/b2/
[3] https://www.berlin.de/sehenswuerdigkeiten/3560738-3558930-juedischer-friedhof-weissensee.html
[5] https://www.pankow-weissensee-prenzlauerberg.berlin/de/weisser-see




















